Marina di Cala del Sole

Die Marina von oben

Es fällt mir recht schwer, diesen Bericht zu schreiben, da wir einen super tollen Winter hinter uns haben, es aber etliches gab, was einfach nicht ideal war. Wenn wir auf die Zeit im Winterlager zurückblicken, fallen uns zuerst die tollen Menschen ein, die wir dort getroffen haben. Die internationale Community ist für uns nach wie vor der Hauptgrund, warum es uns in der Marina di Cala del Sole gefallen hat.

Für die Auswahl des Winterlagers hatten wir 5 Punkte auf unserer Liste, die die Marina erfüllen muss:
1. Sicher und auch bei Wind einigermaßen ruhig, um die Belastungen für die Sundowner möglichst gering zu halten
2. Gute Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe
3. Schnelles Internet
4. Saubere Bäder und Toiletten
5. Eine Waschmaschine

Auf dem Weg nach Licata haben wir uns die Marina di Ragusa angesehen. In den Ort haben wir uns sofort verliebt, die Toilettensituation in der Marina hat uns aber nicht so gut gefallen. Und der nächste Supermarkt war einfach zu weit weg. Da war dann Licata mit dem Supermarkt direkt an der Marina und verhältnismäßig guten Bädern im Vergleich zu Ragusa gleichauf – und da die Marina di Cala del Sole etwas günstiger war, fiel unsere Wahl auf Licata.

Der Empfang in Licata war – im Gegensatz zu dem in Ragusa – extrem kühl. Die Dame im Büro fühlte sich wohl bei ihren Facebook-Aktivitäten gestört und war extrem genervt, dass wir uns noch kurz absprechen wollten, wie viel Geld wir auf den Chip für die Stromsäule buchen. Sie hat uns kein einziges Mal wirklich angesehen und ein „Willkommen“ haben wir auch nicht gehört. Ein herzlicher Empfang geht anders, aber jeder hat mal einen schlechten Tag.

Die Anlagen der Marina wirkten ausgestorben – es gibt einen Taschenladen, ein Cafe, das Marinabüro und einen Ship Chandler. Alles andere steht leer – da war wohl mal mehr geplant, aber wenigstens sieht es ganz nett aus.

Leider hielt unsere anfängliche Freude nicht sehr lange an. Licata ist mit weitem Abstand der schmutzigste und dreckigste Ort, in dem wir auf unserer Reise waren. Es gibt unzählige streunende Hunde, die die Gehwege und Straßen, Blumenbeete und Rasenflächen als Klo benutzen. Müllvermeidung und Mülltrennung sind für viele Einwohner Licatas scheinbar ein Fremdwort. Nun gut, wir waren ja hauptsächlich in der Marina, aber wir wären doch gerne abends mal in ein schönes Restaurant gegangen, mit schöner Aussicht und ein bisschen Flair. Das haben wir aber in der ganzen Zeit in Licata nicht gefunden. Und so schwand unsere anfängliche Begeisterung immer mehr.

Marina-Impression

Dass dann Anfang November auch noch das bis dahin wirklich gute Internet ausgefallen ist, machte die Sache nicht besser. Die Uhren in Italien ticken anders – das ist uns klar. Dass wir aber von den Mitarbeitern der Marina für dumm verkauft und auch angelogen wurden, das hat uns wirklich sehr geärgert. Da half es auch nix, dass Anfang Februar (nach immerhin 3 Monaten) alles wieder einigermaßen schnell ging. Ich bin als Kundin noch NIE derart unfreundlich behandelt worden. Dass eine der drei Damen im Marina Office nett ist, reißt die Schnitzer und Unverschämtheiten der anderen beiden nicht mehr raus.

Die anfänglich noch guten Bäder und Toiletten wurden nach und nach immer dreckiger – ich habe in der ganzen Zeit, in der wir in der Marina di Cala del Sole waren kein einziges Mal eine Putzfrau/einen Putzmann getroffen (zum Vergleich: Wir sind jetzt seit 3 Tagen in der Marina Gouvia und ich habe bisher bei jedem! Besuch der Bade/Klohäuschen eine Putzfrau getroffen). Und so wurden aus 2 benutzbaren Duschen irgendwann eine – und es war irgendwann so dreckig, dass Mary von der Ocean Dream die Bäder geputzt hat. Das macht doch eigentlich sprachlos. Nach einer erneuten wirklich massiven Beschwerde mehrer Yachties bei Maria wurden dann die Bäder das erste und einzige Mal in 7 Monaten so geputzt, dass nicht nur der Dreck in eine andere Position geschoben wurde und auch die Duschen waren danach wieder benutzbar.

Die Waschmaschine in der Marina

Die Waschmaschinen in der Marina di Cala del Sole – nunja, ich habe ja schon über die Waschmaschinen geschrieben, kurzum: Der Preis ist unverschämt und die Maschinen sind ekelhaft.

Bleibt noch der Punkt „Sicherheit“ auf unserer Liste. Die Marina ist ein EU-Projekt und dementsprechend überdimensioniert geplant. Von den 1500 geplanten Liegeplätzen, dem Spa-Center und dem Swimmingpool wurden nur etwa 200 Liegeplätze fertiggestellt, ein Spa-Center oder Swimming-Pool ist nicht zu finden und der „private Strand“ der Marina liegt genau gegenüber dem Auslass der örtlichen Kläranlage. Da kriegt man doch richtig Lust, ins Wasser zu springen, oder?
In der Marina ist wirklich komfortabel Platz um zu parken, zwischen unserem Steg und dem Nachbarsteg waren etwa 100 Meter Platz. Typisch EU – für Megayachten geplant und total überdimensioniert. Die Mooringleinen sind für viel längere Boote geplant und extrem schwer. Durch die wirklich massive Mole und den zweiten Wellenbrecher ist es in der Marina wirklich ruhig und gar nicht schwellig. Das war uns sehr wichtig und in diesem Punkt hat uns die Marina di Cala del Sole auch überzeugt.

Abgebrochen

Leider wurde unser Sicherheitsempfinden gestört, als Anfang Januar das Gelenk zwischen Steg und Land gebrochen ist und unser Steg dann für etwas mehr als 4 Wochen nur noch von einer Kette an Land gehalten wurde. Am Nachbarsteg ist ein Schäkel an der Moooringkette gebrochen und einige Boote wurden gegen den Steg gedrückt. Beide Vorfälle wurden nicht von den Marineros oder anderem Marinapersonal entdeckt sondern von Yachties, die gemerkt haben: Da stimmt etwas nicht. Somit bekommt die Marina di Cala del Sole leider keinen Punkt für Sicherheit – gewartet wird nämlich nicht, nur repariert und meistens dauert das dann. Sizilien eben.

Vorträge über die Reisen unserer Mitbewohner!

Wenn man das so liest, könnte man sich nun schon fragen: Warum wart ihr dann so lange in Licata? Die Antwort ist leicht – wegen unserer Mitbewohner in der Marina. Das sonntägliche Barbecue ist ein Highlight und der Grillplatz wirklich toll. Die Community hat uns sehr gut gefallen und uns genau das geboten, was wir gesucht haben: Kontakt zu anderen Verrückten, die auch auf Booten leben. Von Anfang an haben wir tolle Menschen kennengelernt, den ganzen Winter fast nur Englisch gesprochen, tolle Abende und Wochenenden verbracht. Da war Silvester mit Nicola und Alistair von der Tiny Nical und Deimante und Saulius auf der Takamaka, Piratenbridge mit Eric und Femke von der Sunrise, ein Tauschgeschäft mit Martin und Debbie von der Locomocean, Stefans gemeinsame Raucherpausen mit Eric von der White Magic, Bob mit dem kleinsten Boot und dem tollen schottischen Akzent, Jenna und Jamie von der Sophie mit ihrem unglaublichen Erfahrungsschatz und dem Willen, wo immer es geht eine Party zu feiern. Gustav und

Mjölki am Sonntag – ich kenne das Spiel als Wikingerschach.

Harriet von der Miss Sophie als Organisatoren von Weinverkostung und Mjölki, dem besten Mitbringsel zum BBQ von der Windhover, das Katamaransitting auf der WhiteCat, Rick und Marys Geschichten über ihre Reisen durch ganz Europa und die halbe Welt. Toni von der Itörnia hat uns ebenfalls mit seinen Erzählungen gut unterhalten und wir haben ihm im Gegenzug Korfu schmackhaft gemacht und Maurice überraschte uns mit seinem nie endenden Vorrat an Nachspeisen für das BBQ. Wir haben tolle Lasagne auf der Serenita gegessen. Die Menschen und ihre Boote waren das Salz in der Suppe und der Grund, warum wir uns immer gerne an die Zeit in der Marina di Cala del Sole erinnern werden.

Und was auch wirklich luxuriös war: Der Supermarkt. Ich liebe Supermärkte und konnte jeden Tag – von Montag bis Sonntag – ohne groß nachzudenken und große Proviantierung nach Lust und Laune kurz noch in den Supermarkt rüberflitzen und einkaufen. Der Lidl in Licata liegt etwas außerhalb, es gab aber immer wieder die Möglichkeit, mit irgendwem kurz zum Lidl zu fahren (um meine Quark-Reserven aufzustocken :-))

Wenn man uns jetzt also fragen würde: Winterlager in Licata – Ja oder Nein? Für uns war es die richtige Entscheidung, den Winter in Licata zu verbringen, weil wir so unglaublich viele tolle Menschen kennengelernt haben.

Da sich die Marina di Cala del Sole selbst ja für eine 5-Sterne-Luxusmarina hält, verwende ich für unsere abschließende Bewertung auch Sterne. Wir geben einen Stern für die Einkaufssituation, einen halben für die Mole und den nicht vorhandenen Schwell und einen halben für den Grillplatz. Leider müssen wir für das massive Fouling in der Marina und die damit verbundenen Kosten (Taucher, neues Antifouling, …) einen halben Stern abziehen. Damit bekommt die Marina die Cala del Sole von uns 1,5 von 5 Sternen.

2 Kommentare

  1. Danke für Euren ausführlichen Erfahrungsbericht.
    Wir hatten auch mal überlegt in dieser Marina den kommenden Winter zu verbringen.
    Werden aber nun in der im Sommer neu fertiggestellten Marina in Capo de Orlando unser Boot überwintern…

    Vielleicht sehen wir uns ja heuer mal wo in Griechenland. In einer guten Woche gehts bei uns wieder los von Lignano aus…

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